Fragwürdiger Vergleich
In der Süddeutschen werden schon wieder Äpfel mit Birnen verglichen, wenn man den massenhaften illegen Nachdruck (oder eBook-Download) mit dem literarischen Kopieren von Wörtern gleichsetzt.
Ist der Leipziger Erklärung zum Schutz geistigen Eigentums sprechen sich “Schriftsteller gegen Plagiate” aus und verfehlen damit mal wieder die eigentliche Debatte. Wahrscheinlich hat ihnen ihr Verleger das in den Kopf gesetzt und mal wieder mag ich nur sagen, dass die Leute doch bitte ihren Bosse lesen sollen!
Music Pirates in Canada (1897)
June 13, 1897 NYTimes (.pdf ohne ocr)
American Publishers say they are Suffering by Copyright Violations
There-Steps Taken for Redress.“Canadian pirates” is what the music dealers call publishing houses across the line who are flooding this country, they say, with spurious editions of the latest copyrighted popular songs. They use the mails to reach purchasers, so members of the American Music Publishers’ Association assert, and as a result the legitimate music publishing business of the United States has fallen off 50 per cent, in the past twelve months. Their investigation has revealed that all of the most popular pieces have been counterfeited, despite the fact that they are copyrighted, and by unknown publishers are sold at from 2 cents to 5 cents per copy. though the original compositions sell at from 20 to 40 cents per copy.
It is estimated by the publishers that fully 5,000,000 copies of songs were printed and Bold in the month of May.
T. B. Harms, the music publisher, said yesterday that the American publishers had held a conference lasting three days last week, and a committee had been appointed to fight the pirates. This committee consists of Isidore Witmark, T. B. Harms, and H. W. Gray.
It was explained that the business is worked in Canada in connection with newspapers which publish lists of music to be sold at, say, 10 cents a copy. The Post Office box given belongs to the newspaper, and it takes half of all the money sent as pay for the advertising, and the other half goes to the “pirate,” who sends the music by mail.
If the Post Office authorities stop such mail matter because it infringes the copyright law, it is returned to the publisher, after thirty days, under our law, and the only one who is out is the person who sends the 10 cents. The Canadian law is less lenient, as it provides for the destruction of contraband matter sent over the line by American violators of copyright law.
(via: perceptric > homepagedaily)
“Feridun Zaimoglu über Hegemann” auf sueddeutsche
Ein Interview mit grandiosem Unterhaltungswert. Hier nur ein paar Kracher vorab:
- “Das geistige Eigentum ist nicht Verhandlungsmasse von entfesselten Kleinbürgern.”
- “Wir sind hier in der Literatur, und das ist kein Affenzirkus, wir hören hier nicht Kirmespop.”
- “Dieser ganze Blödsinn mit Sample und Pop -da kann ich nur sagen: Je höher das Äffchen steigt, desto mehr es sein Ärschlein zeigt.”
Über das Theater sagt er dann allerdings:
Theater ist ein anderes Medium, Wort ist Wort, aber Schauspiel besteht aus viel mehr als nur der Magie des Wortes, für die wir zuständig sind.
und spätestens ab hier macht sich Herr Zaimoglu lächerlich. Das ganze toppt er nur damit, dass er keinen Computer hat oder verwendet, mit der Begründung:
Ich habe es mit dem Computer versucht, und ich wurde geschwätzig.
Nachträglich ein paar Gedanken zur Autorschaft und Werkherschaft im Bezug auf die Hacker-Subkultur
Gestern habe wieder einmal in No-Copy gelesen und festgestellt, dass ich damals vor ein paar Wochen in Geheuchelte Remix-Culture vielleicht doch ein wenig voreilig war mit meiner Kritik. Wahrscheinlich habe ich damals vor lauter Autorschaft ist Werkherrschaft und Urherberrechtsentstehung einen essenziellen Fehler gemacht.
Die Etikette der Namensnennung für eine Tat oder ein Werk, habe ich mit dem Autor (im Bezug auf die Urheberschaft) verwechselt. Es ging gar nicht um die Werkherschaft und daraus folgend die Pflicht zur Namensnennung, sondern lediglich um die Namensnennung derer, dessen Werk verwendet wurde. Dieses (nennen wir es) Protokoll unter Hackern (und ihr verwandten Subkulturen), regelt die Vergütung nicht in Silberthaler, sondern ideologische Vergütung in Form von Respekt und Anerkennung durch die Gemeinschaft, die davon profitiert, dass sie “frei” (nach ihren Regeln) auf diese Leistung zurückgreifen kann. Um es an einem Beispiel deutlich zu machen: Respekt bekommt die Group die als erste release hat; der Hacker, der als erster einen Crack oder eine andere nützliche Software geschrieben hat. In den jeweiligen Kulturkreis, haben alle Teilnehmer freien Zugriff auf die Werte und da diese Kulturen keine Vergütung in Form von Kapital kennen, gestaltet sich ihre Vergütung in Form von Anerkennung.
Copyright-Chaos verwirrt Konsumenten
Britische Verbraucherschützer: Urheberrecht veraltet
Bestehende Urheberrechtsgesetze verwirren Konsumenten. Viele wissen nicht mehr genau, was digital bzw. online “erlaubt” ist und was nicht. Zu diesem Schluss kommt die britische Verbraucherorganisation Consumer Focus nach einer aktuellen Befragung. Darüber hinaus kritisieren die Konsumentenschützer, dass die geltenden Bestimmungen veraltet seien. Millionen von Menschen wüssten nicht einmal, dass sie das Gesetz brechen. [presetext.de]
Später im Text meldet sich natürlich auch die GVU zu Wort
Chrisitine Ehlers (Sprecherin der GVU): “Das grundlegende Ansinnen des Urheberrechts liegt unter anderem darin, den Kreativen die wirtschaftliche Auswertung ihrer Leistung zu ermöglichen. Nicht zuletzt im Interesse des kulturellen und wirtschaftlichen Wachstums muss dies auch dann gelten, wenn durch technologische Entwicklungen eine Ausbeutung dieser Menschen droht und vorangetrieben wird”
Wieder einmal werden Wörter in Verbindung gebracht, die nicht so recht zusammen gehören. Das angloamerikanische Copyright ist etwas anderes als das dt. Urheberrecht. Beide entstanden in einem völlig anderen wirtschaftlichen und poltischen Kontext, obwohl sie beide nur die juristische Umsetzung von wirtschaftlichen Interessen und Konflikten waren.
Das Urheberrecht lehne ich aus theoretischen Gründen daher grundlegend ab. Weder sehe ich die Vertretung der wirtschaftlichen Interessen der Kreativen, noch deren daraus resultierenden Schutz, sondern viel mehr die Ausbeutung durch Rechteverwerter. Ganz davon abgesehen, dass sich der Wert der “Arbeit, die keinem gehört” seit der Goethezeit mehrfach gewandelt hat. Der Konsument ist nicht erst seit dem Tonbandgerät in der Lage technische Kopien anzufertigen und spätestens mit der Einführung der digitalen Kopie sind diese verlustfrei. “Autorschaft ist Werkherschaft” (Heinrich Bosse) erzählt hier zu sehr umfassend die Geschichte “Über die Entstehung des Urheberrechts aus dem Geist der Goethezeit”. Auch heute noch erzeugen Rechteverwerter künstliche Knappheiten um den Markt zu regulieren, die Musikcharts und im allgemeinen fast die gesamte Musikindustrie sind dafür ein ideales Beispiel. Von ihrer manipulativen Meinungsmache und Vermaktung des Starkultus mag ich erst garnicht anfangen.
(via schockwellenreiter)
Das “Plagiatplagiat” von Durs Grünbein
Durs Grünbein meldet sich in der FAZ nun auch über “Axolotl Roadkill” zu Wort. Auf seine ganze eigene Art und Weise… oder doch nicht?
(via: schockwellenreiter)
Germany’s Next Autoren-Topmodel
Plagiatsfall Helene Hegemann — Germany’s Next Autoren-Topmodel (FAZ)
Oder ob wir hier einfach nur eine teils zusammengeklaute, teil selbst hervorgebrachte Phantasie lesen, die gar kein Individuum zum Autor hat, sondern das Kulturestablishment selber, das sich so ein Wunderkind vorstellt und einer solchen Phantasie eventuell sogar ein tatsächliches Kind zum Opfer bringt.
Der schrille Sound des Feuilletons
An der Debatte um das Buch “Axolotl Roadkill” von Helene Hegemann ist sehr vieles interessant - bis auf das Buch selbst und die Autorin. Es würde kaum verwundern, wenn der Roman nur veröffentlicht wurde, um den Literaturbetrieb im Land der Dichter und Denker als überdrehten Christkindlmarkt der geldgetriebenen Hysterien zu entlarven. … — digitale linke
Plagiatsdebatte: Die Leihen des jungen W.
Auch du, Goethe: Erfolgreiche Jugendliteratur war schon immer ein bisschen abgeschrieben.
„Mein Werk ist das eines Kollektivwesens, und es trägt den Namen Goethe.“ Dieser Satz ist ein Hammer, zumal er nicht gestern, sondern 1832 geäußert wurde und von einem damals 82-jährigen Autor stammt, der Weltliteratur schrieb. Blickt man mit diesem Satz auf sein meistgelesenes Buch, enthüllt sich schlagartig die ganze Absurdität der aktuellen Plagiatsdebatte um Helene Hegemanns Roman „Axolotl Roadkill“ … — tagesspiegel
(via @derfreitag)
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