Staatskulturminister

Nachträglich ein paar Gedanken zur Autorschaft und Werkherschaft im Bezug auf die Hacker-Subkultur

Posted in Autorschaft, Kommentar by bernd on März 8, 2010

Gestern habe wieder einmal in No-Copy gelesen und festgestellt, dass ich damals vor ein paar Wochen in Geheuchelte Remix-Culture vielleicht doch ein wenig voreilig war mit meiner Kritik. Wahrscheinlich habe ich damals vor lauter Autorschaft ist Werkherrschaft und Urherberrechtsentstehung einen essenziellen Fehler gemacht.

Die Etikette der Namensnennung für eine Tat oder ein Werk, habe ich mit dem Autor (im Bezug auf die Urheberschaft) verwechselt. Es ging gar nicht um die Werkherschaft und daraus folgend die Pflicht zur Namensnennung, sondern lediglich um die Namensnennung derer, dessen Werk verwendet wurde. Dieses (nennen wir es) Protokoll unter Hackern (und ihr verwandten Subkulturen), regelt die Vergütung nicht in Silberthaler, sondern ideologische Vergütung in Form von Respekt und Anerkennung durch die Gemeinschaft, die davon profitiert, dass sie „frei“ (nach ihren Regeln) auf diese Leistung zurückgreifen kann. Um es an einem Beispiel deutlich zu machen: Respekt bekommt die Group die als erste release hat; der Hacker, der als erster einen Crack oder eine andere nützliche Software geschrieben hat. In den jeweiligen Kulturkreis, haben alle Teilnehmer freien Zugriff auf die Werte und da diese Kulturen keine Vergütung in Form von Kapital kennen, gestaltet sich ihre Vergütung in Form von Anerkennung.

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niiu — mehr als nur Internet auf totem Holz?

Posted in Gesellschaft, Kommentar, Netzwerke by bernd on Februar 24, 2010

Spon berichtet über 2 Jungunternehmen mit der revolutionären Geschäftsidee für das „klassische“ Zeitungsgeschäft. Das Startup niiu produziert und liefert jedem Leser seine ganz individuelle Zeitung nach Hause. Der Leser entscheidet aus welchen Bereichen er von welcher anderen Zeitung Artikel lesen möchte. Wer will, auch seine persönliche Facebook-Timeline.

Zur Gewinnschöpfung für Verlagshäuser und Redakteure wahrscheinlich revolutionär, aber nicht in seiner Beschaffenheit. Wir alle nutzen seit längerem RSS oder Atom-Feeds in einem Feedreader, oder Microblogging-Clients die nicht nur unsere Twitter-Accouns verwalten sondern gleich noch mit Facebook, Myspace, … verbunden sind. Wir filtern uns bereits selber. Wir klicken uns den ganzen Tag durch den nicht enden wollenden Fluss an Inforamtionen um schlußendlich von einer wirklich relevanten Meldung gefunden zu werden. Vorallem haben wir die Möglichkeit darauf reagieren zu können. Kommentare, RT, Trackback und andere Aktionen die die Informationen weiter in sich vernetzen und somit die Relevanz für ein soziales Netz bestimmbar wird.

Bei niiu fehlt davon aber bereits ein großer Teil. So richtig kann man dann doch nicht darauf verzichten den ganzen Tag Twitter zu lesen oder zu ignorieren.

Für den Prenzlauer Berg jedenfalls scheint es geeignet zu sein, ich hingegen vermag (noch) nicht erkennen wo der Mehrwert liegt, für den ich bezahlen würde.

Mehr zum Thema:

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Download-Link via Post

Posted in Kommentar by bernd on Februar 21, 2010

Bitte beachten Sie:
Den Download-Link zum PDF erhalten Sie per Rechnung, die Ihnen auf dem Postweg zugestellt wird. Dieser Vorgang dauert in der Regel 3 bis 4 Werktage.

Nein nicht per eMail! Ganz klassisch via Snailmail. Da hat mal wieder jemand das mit dem Internet noch nicht so ganz verstanden. Die Krönung des ganzen dabei ist eignetlich deren Logo:

(via @ognibeni)

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Geheuchelte Remix-Culture

Posted in Autorschaft, Kommentar by bernd on Februar 8, 2010

Gestern ist bei netzpolitik ein kurzer Artikel über Remix, Plagiat und Autorschaft im Bezug auf Hegemanns „Axolotl Roadkill“ erschienen. Gepsickt mit noch größeren Lücken der Medientheorie als ich sie habe und beleidigten Verhalten eines Kleinkindes.

Es wird zwar erwähnt, „dass unsere Kultur aus Diskursen und fragmentarischer Reproduktion besteht“, aber kurz darauf wird (stellvertrend[?] für die Netzkultur) darauf verwiesen wie wichtig und notwendig es sei denUrheber“ oder denAutor“ zu nennen.

Mir stellt sich nun die Frage: Was propagandiert meine Netzkultur denn nun, den freien Umgang mit Kulturgut und die Anerkennung, dass alles was wir schriftlich produzieren (Literatur, Wissenschaft, Mathematik, Programmierung, etc) eine Form des Redens ist und somit jeder Schreiber (ich nenne ihn bewusst nicht Autor) nur auf den Sprach- und Wissensfundus zurück greifen kann, den er sich im Diskus angeeignet hat? Oder das sie im Kern genau so Machtgeil sind wie die Verleger?

Zum Verhältnis von Reden und Schreiben: Der Redner, und so auch der Schreiber, ist also davon abhäng Geistiges Eigentum zu stehlen, sich anzueignen und somit zu seinem persönlichen Geistigen Eigentum zu erklären.

Ich habe erst im letzten Semster (durch einführende Arbeit an wissenschaftliche Aufsätzen) diesen Prozess analystisch verstanden, obwohl mich seit Jahren dieses Denken durch meinen Alltag begleitet hat und ich weiterhin fest daran glaube, dass es sowas wie den Autor schlicht nicht gibt und nie gab oder je geben wird.

Zwei Texte möchte ich daher jener „freiheitsliebenden“ Netzkultur auf den Weg geben, ja ihr die ihr die Freiheit von Informationen predigt und heimlich nachts im Verborgenen auf EURE Autorschaft masturbiert!

  • Roland Barthes: Der Tod des Autors, 1968
  • Michel Foucault: Was ist ein Autor?, 1969
  • (Heinrich Bosse: Autorschaft ist Werkherrschaft. Über die Entstehung des Urheberrechts aus dem Geist der Goethezeit, 1981) [Wieso und Weshalb das Urheberrecht nichts mit dem Autor zu tun hat, sondern eine Durchsetzung von wirtschaftlichen Interessen der Verleger durch die poltische Staatsgewalt war, überall]

Update: FAZ, SpOn, taz

Update 2: direkt hinter meinem trackback

  1. classless
    Feb 8th, 2010 @ 13:39

    Ach, zur Hölle mit Autorenschaft und Urheberrecht und Eitelkeiten und dem Bestreben von Verlagen zu wissen, wem sie den Scheck zustellen sollen! Sich bis zur Unidentifizierbarkeit aus dem eigenen Text zurückziehen! Die Poesie soll von allen gemacht werden, nicht von einem! Woher stammen denn die Wörter, die Grammatik, der Kontext?
    Alles selber ausgedacht? Oder schön referenziert?

    Cut the fuck up!

    http://www.classless.org/remix/

Update 3: @haekelschwein

Nur zur Info: Falls jemand mit meinen Tweets auf der Spiegel-Bestsellerliste landet, ist ruckzuck die Fresse dick! #axolotl

Die Zeit über Netzneutralität

Posted in Kommentar, Links by bernd on Februar 7, 2010

Die Zeit schreibt im Gesamten nicht viel neues, ausser das wieder mit dem Babysitter-Internet argumentiert wird:

Die Vision der Jugendschützer ist aber, dass Provider und Inhalte-Anbieter gemeinsam ein Kennzeichnungssystem entwickeln. Webseitenbetreiber sollen freiwillig angeben, ob ihre Angebote jugendfrei sind. Die Provider könnten dann auf Wunsch von Eltern Jugendgefährdendes automatisch ausblenden.

Dazu nur ein kurzer Auszug von http://www.rotten.com/about/obscene.html (1997!)

The net is not a babysitter! Children should not be roaming the Internet unsupervised any more than they should be roaming the streets of New York City unsupervised.

Das Plädoyer sollte unbedingt im ganzen gelesen werden.

(via netzpolitik)

Zustimmung. Auch das stehlen geistigen Eigentums…

Posted in Kommentar, Kulturindustire by bernd on Februar 1, 2010

@L337hium #Zustimmung. Auch das stehlen geistigen Eigentums ist ein Beitrag zur Gesellschaft und sollte entsprechend vergütet werden. oO

(via @EINS78 als Antwort auf @L337hium)

Kommentar zur „Dynamik der Meute“

Posted in Kommentar by bernd on Januar 26, 2010

Philip Bethge (Spiegel Online) hat den Computerpionier Jaron Lanier interviewt. Beim lesen habe ich mich an einigen Punkten gestoßen und kommentiere meine Sicht zu den verschiedenen aufgeworfenen Aspekten.

Lanier: Die ersten Kommentare waren noch in Ordnung. Doch bald wuchs sich das Ganze zu einem teuflischen Gemetzel aus. Das ist keine Ausnahme, sondern ein typisches Muster im Netz. […] Die Anonymität spielt eine große Rolle. Wer anonym ist, muss keine Konsequenzen fürchten und erhält dennoch unmittelbare Genugtuung.

Hier eröffnen sich bereits mehrere Themen: Zum einen seine Kritik an der Diskussionskultur im Internet ist nicht differenziert. Die Gesprächskultur unterscheidet sich von Netz zu Netz, so wie im „echten Leben“ auch (auch wenn ich diese Formulierung verabscheue). Gesellschaftliche Verhaltensweisen eines Individums orientieren sich immer an dem jewaligen sozialen/gesellschaftlichem Umfeld. Sehr gut übrigends beim Thema Überwachung erkennbar. Worauf ich hinaus will: Es macht einen unterschied ob ich mir auf YouTube die Kommentare zu einem Fernsehmitschnitt durchlese oder auf der Seite des Fernsehproduzenten. Und wo wir gerade beim Thema Überwachung sind: genau hier seh ich den Vorteil der vermeindlichen Anonymität des Netzes. Denn hier zeigt sich das „wahre“ Gesicht dieser Online-Gesellschaft. Und die Mobbildung findet genauso auf der Straße statt.

Über Soziale Netzte wie Facebook äußert sich Lanier:

Das Problem ist nur, dass sie dabei soziale Strukturen im Netz zerstören, die anfangs ziemlich gut funktionierten. Die Leute haben ja auch schon vor Facebook über das Internet miteinander kommuniziert.

Im Kern stimme ich hier Lanier zu, jedoch ist nicht das Problem das User auf einer Plattform gemeinsam kommunizieren, sondern, dass sie sich davon abhängig machen. Dies kann man zur Zeit wunderbar beobachten, wenn User sich dem sozial suicide hingeben und ihre Hinterblieben gelähmt vom Schock sind und nicht mehr wissen wie sie ihre „Freunde“ weiterhin erreichen können.

Facebook presst die Nutzer in vorgestanzte Kategorien und reduziert sie zu Multiple-Choice-Identitäten…

Hier zeigt sich schlicht das unvermögen vieler Menschen ihre eigene Persönlichkeit zu beschreiben. Der normale mediale Konsument ist es nicht gewohnt sich von der Masse abzuheben. Und wenn ihm nicht die Möglichkeit eröffnet wird, wird er selbst auch nicht erkennen sich als einzigartig beschreiben zu können.

Lainer fasst es damit zusammen,

das Netz lässt nur Konformismus zu. Es belohnt Leute, die in soziale Normen passen. […] Hinzu kommt, dass es das Netz nicht erlaubt, sich selbst neu zu erfinden.