Staatskulturminister

Kommentar zur „Dynamik der Meute“

Posted in Kommentar by bernd on Januar 26, 2010

Philip Bethge (Spiegel Online) hat den Computerpionier Jaron Lanier interviewt. Beim lesen habe ich mich an einigen Punkten gestoßen und kommentiere meine Sicht zu den verschiedenen aufgeworfenen Aspekten.

Lanier: Die ersten Kommentare waren noch in Ordnung. Doch bald wuchs sich das Ganze zu einem teuflischen Gemetzel aus. Das ist keine Ausnahme, sondern ein typisches Muster im Netz. […] Die Anonymität spielt eine große Rolle. Wer anonym ist, muss keine Konsequenzen fürchten und erhält dennoch unmittelbare Genugtuung.

Hier eröffnen sich bereits mehrere Themen: Zum einen seine Kritik an der Diskussionskultur im Internet ist nicht differenziert. Die Gesprächskultur unterscheidet sich von Netz zu Netz, so wie im „echten Leben“ auch (auch wenn ich diese Formulierung verabscheue). Gesellschaftliche Verhaltensweisen eines Individums orientieren sich immer an dem jewaligen sozialen/gesellschaftlichem Umfeld. Sehr gut übrigends beim Thema Überwachung erkennbar. Worauf ich hinaus will: Es macht einen unterschied ob ich mir auf YouTube die Kommentare zu einem Fernsehmitschnitt durchlese oder auf der Seite des Fernsehproduzenten. Und wo wir gerade beim Thema Überwachung sind: genau hier seh ich den Vorteil der vermeindlichen Anonymität des Netzes. Denn hier zeigt sich das „wahre“ Gesicht dieser Online-Gesellschaft. Und die Mobbildung findet genauso auf der Straße statt.

Über Soziale Netzte wie Facebook äußert sich Lanier:

Das Problem ist nur, dass sie dabei soziale Strukturen im Netz zerstören, die anfangs ziemlich gut funktionierten. Die Leute haben ja auch schon vor Facebook über das Internet miteinander kommuniziert.

Im Kern stimme ich hier Lanier zu, jedoch ist nicht das Problem das User auf einer Plattform gemeinsam kommunizieren, sondern, dass sie sich davon abhängig machen. Dies kann man zur Zeit wunderbar beobachten, wenn User sich dem sozial suicide hingeben und ihre Hinterblieben gelähmt vom Schock sind und nicht mehr wissen wie sie ihre „Freunde“ weiterhin erreichen können.

Facebook presst die Nutzer in vorgestanzte Kategorien und reduziert sie zu Multiple-Choice-Identitäten…

Hier zeigt sich schlicht das unvermögen vieler Menschen ihre eigene Persönlichkeit zu beschreiben. Der normale mediale Konsument ist es nicht gewohnt sich von der Masse abzuheben. Und wenn ihm nicht die Möglichkeit eröffnet wird, wird er selbst auch nicht erkennen sich als einzigartig beschreiben zu können.

Lainer fasst es damit zusammen,

das Netz lässt nur Konformismus zu. Es belohnt Leute, die in soziale Normen passen. […] Hinzu kommt, dass es das Netz nicht erlaubt, sich selbst neu zu erfinden.

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