Staatskulturminister

Fragwürdiger Vergleich

Posted in Autorschaft, Kulturindustire, Kulturpraxis by bernd on März 17, 2010

In der Süddeutschen werden schon wieder Äpfel mit Birnen verglichen, wenn man den massenhaften illegen Nachdruck (oder eBook-Download) mit dem literarischen Kopieren von Wörtern gleichsetzt.

Ist der Leipziger Erklärung zum Schutz geistigen Eigentums sprechen sich „Schriftsteller gegen Plagiate“ aus und verfehlen damit mal wieder die eigentliche Debatte. Wahrscheinlich hat ihnen ihr Verleger das in den Kopf gesetzt und mal wieder mag ich nur sagen, dass die Leute doch bitte ihren Bosse lesen sollen!

Advertisements

„Feridun Zaimoglu über Hegemann“ auf sueddeutsche

Posted in Autorschaft, Kulturpraxis by bernd on März 13, 2010

Ein Interview mit grandiosem Unterhaltungswert. Hier nur ein paar Kracher vorab:

  • „Das geistige Eigentum ist nicht Verhandlungsmasse von entfesselten Kleinbürgern.“
  • „Wir sind hier in der Literatur, und das ist kein Affenzirkus, wir hören hier nicht Kirmespop.“
  • „Dieser ganze Blödsinn mit Sample und Pop -da kann ich nur sagen: Je höher das Äffchen steigt, desto mehr es sein Ärschlein zeigt.“

Über das Theater sagt er dann allerdings:

Theater ist ein anderes Medium, Wort ist Wort, aber Schauspiel besteht aus viel mehr als nur der Magie des Wortes, für die wir zuständig sind.

und spätestens ab hier macht sich Herr Zaimoglu lächerlich. Das ganze toppt er nur damit, dass er keinen Computer hat oder verwendet, mit der Begründung:

Ich habe es mit dem Computer versucht, und ich wurde geschwätzig.

Das „Plagiatplagiat“ von Durs Grünbein

Posted in Autorschaft, Kulturindustire by bernd on Februar 23, 2010

Durs Grünbein meldet sich in der FAZ nun auch über „Axolotl Roadkill“ zu Wort. Auf seine ganze eigene Art und Weise… oder doch nicht?

(via: schockwellenreiter)

Plagiatsdebatte: Die Leihen des jungen W.

Posted in Autorschaft, Kulturindustire by bernd on Februar 16, 2010

Auch du, Goethe: Erfolgreiche Jugendliteratur war schon immer ein bisschen abgeschrieben.

„Mein Werk ist das eines Kollektivwesens, und es trägt den Namen Goethe.“ Dieser Satz ist ein Hammer, zumal er nicht gestern, sondern 1832 geäußert wurde und von einem damals 82-jährigen Autor stammt, der Weltliteratur schrieb. Blickt man mit diesem Satz auf sein meistgelesenes Buch, enthüllt sich schlagartig die ganze Absurdität der aktuellen Plagiatsdebatte um Helene Hegemanns Roman „Axolotl Roadkill“ … — tagesspiegel

(via @derfreitag)

Geheuchelte Remix-Culture

Posted in Autorschaft, Kommentar by bernd on Februar 8, 2010

Gestern ist bei netzpolitik ein kurzer Artikel über Remix, Plagiat und Autorschaft im Bezug auf Hegemanns „Axolotl Roadkill“ erschienen. Gepsickt mit noch größeren Lücken der Medientheorie als ich sie habe und beleidigten Verhalten eines Kleinkindes.

Es wird zwar erwähnt, „dass unsere Kultur aus Diskursen und fragmentarischer Reproduktion besteht“, aber kurz darauf wird (stellvertrend[?] für die Netzkultur) darauf verwiesen wie wichtig und notwendig es sei denUrheber“ oder denAutor“ zu nennen.

Mir stellt sich nun die Frage: Was propagandiert meine Netzkultur denn nun, den freien Umgang mit Kulturgut und die Anerkennung, dass alles was wir schriftlich produzieren (Literatur, Wissenschaft, Mathematik, Programmierung, etc) eine Form des Redens ist und somit jeder Schreiber (ich nenne ihn bewusst nicht Autor) nur auf den Sprach- und Wissensfundus zurück greifen kann, den er sich im Diskus angeeignet hat? Oder das sie im Kern genau so Machtgeil sind wie die Verleger?

Zum Verhältnis von Reden und Schreiben: Der Redner, und so auch der Schreiber, ist also davon abhäng Geistiges Eigentum zu stehlen, sich anzueignen und somit zu seinem persönlichen Geistigen Eigentum zu erklären.

Ich habe erst im letzten Semster (durch einführende Arbeit an wissenschaftliche Aufsätzen) diesen Prozess analystisch verstanden, obwohl mich seit Jahren dieses Denken durch meinen Alltag begleitet hat und ich weiterhin fest daran glaube, dass es sowas wie den Autor schlicht nicht gibt und nie gab oder je geben wird.

Zwei Texte möchte ich daher jener „freiheitsliebenden“ Netzkultur auf den Weg geben, ja ihr die ihr die Freiheit von Informationen predigt und heimlich nachts im Verborgenen auf EURE Autorschaft masturbiert!

  • Roland Barthes: Der Tod des Autors, 1968
  • Michel Foucault: Was ist ein Autor?, 1969
  • (Heinrich Bosse: Autorschaft ist Werkherrschaft. Über die Entstehung des Urheberrechts aus dem Geist der Goethezeit, 1981) [Wieso und Weshalb das Urheberrecht nichts mit dem Autor zu tun hat, sondern eine Durchsetzung von wirtschaftlichen Interessen der Verleger durch die poltische Staatsgewalt war, überall]

Update: FAZ, SpOn, taz

Update 2: direkt hinter meinem trackback

  1. classless
    Feb 8th, 2010 @ 13:39

    Ach, zur Hölle mit Autorenschaft und Urheberrecht und Eitelkeiten und dem Bestreben von Verlagen zu wissen, wem sie den Scheck zustellen sollen! Sich bis zur Unidentifizierbarkeit aus dem eigenen Text zurückziehen! Die Poesie soll von allen gemacht werden, nicht von einem! Woher stammen denn die Wörter, die Grammatik, der Kontext?
    Alles selber ausgedacht? Oder schön referenziert?

    Cut the fuck up!

    http://www.classless.org/remix/

Update 3: @haekelschwein

Nur zur Info: Falls jemand mit meinen Tweets auf der Spiegel-Bestsellerliste landet, ist ruckzuck die Fresse dick! #axolotl