Staatskulturminister

Nachträglich ein paar Gedanken zur Autorschaft und Werkherschaft im Bezug auf die Hacker-Subkultur

Posted in Autorschaft, Kommentar by bernd on März 8, 2010

Gestern habe wieder einmal in No-Copy gelesen und festgestellt, dass ich damals vor ein paar Wochen in Geheuchelte Remix-Culture vielleicht doch ein wenig voreilig war mit meiner Kritik. Wahrscheinlich habe ich damals vor lauter Autorschaft ist Werkherrschaft und Urherberrechtsentstehung einen essenziellen Fehler gemacht.

Die Etikette der Namensnennung für eine Tat oder ein Werk, habe ich mit dem Autor (im Bezug auf die Urheberschaft) verwechselt. Es ging gar nicht um die Werkherschaft und daraus folgend die Pflicht zur Namensnennung, sondern lediglich um die Namensnennung derer, dessen Werk verwendet wurde. Dieses (nennen wir es) Protokoll unter Hackern (und ihr verwandten Subkulturen), regelt die Vergütung nicht in Silberthaler, sondern ideologische Vergütung in Form von Respekt und Anerkennung durch die Gemeinschaft, die davon profitiert, dass sie „frei“ (nach ihren Regeln) auf diese Leistung zurückgreifen kann. Um es an einem Beispiel deutlich zu machen: Respekt bekommt die Group die als erste release hat; der Hacker, der als erster einen Crack oder eine andere nützliche Software geschrieben hat. In den jeweiligen Kulturkreis, haben alle Teilnehmer freien Zugriff auf die Werte und da diese Kulturen keine Vergütung in Form von Kapital kennen, gestaltet sich ihre Vergütung in Form von Anerkennung.

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Geheuchelte Remix-Culture

Posted in Autorschaft, Kommentar by bernd on Februar 8, 2010

Gestern ist bei netzpolitik ein kurzer Artikel über Remix, Plagiat und Autorschaft im Bezug auf Hegemanns „Axolotl Roadkill“ erschienen. Gepsickt mit noch größeren Lücken der Medientheorie als ich sie habe und beleidigten Verhalten eines Kleinkindes.

Es wird zwar erwähnt, „dass unsere Kultur aus Diskursen und fragmentarischer Reproduktion besteht“, aber kurz darauf wird (stellvertrend[?] für die Netzkultur) darauf verwiesen wie wichtig und notwendig es sei denUrheber“ oder denAutor“ zu nennen.

Mir stellt sich nun die Frage: Was propagandiert meine Netzkultur denn nun, den freien Umgang mit Kulturgut und die Anerkennung, dass alles was wir schriftlich produzieren (Literatur, Wissenschaft, Mathematik, Programmierung, etc) eine Form des Redens ist und somit jeder Schreiber (ich nenne ihn bewusst nicht Autor) nur auf den Sprach- und Wissensfundus zurück greifen kann, den er sich im Diskus angeeignet hat? Oder das sie im Kern genau so Machtgeil sind wie die Verleger?

Zum Verhältnis von Reden und Schreiben: Der Redner, und so auch der Schreiber, ist also davon abhäng Geistiges Eigentum zu stehlen, sich anzueignen und somit zu seinem persönlichen Geistigen Eigentum zu erklären.

Ich habe erst im letzten Semster (durch einführende Arbeit an wissenschaftliche Aufsätzen) diesen Prozess analystisch verstanden, obwohl mich seit Jahren dieses Denken durch meinen Alltag begleitet hat und ich weiterhin fest daran glaube, dass es sowas wie den Autor schlicht nicht gibt und nie gab oder je geben wird.

Zwei Texte möchte ich daher jener „freiheitsliebenden“ Netzkultur auf den Weg geben, ja ihr die ihr die Freiheit von Informationen predigt und heimlich nachts im Verborgenen auf EURE Autorschaft masturbiert!

  • Roland Barthes: Der Tod des Autors, 1968
  • Michel Foucault: Was ist ein Autor?, 1969
  • (Heinrich Bosse: Autorschaft ist Werkherrschaft. Über die Entstehung des Urheberrechts aus dem Geist der Goethezeit, 1981) [Wieso und Weshalb das Urheberrecht nichts mit dem Autor zu tun hat, sondern eine Durchsetzung von wirtschaftlichen Interessen der Verleger durch die poltische Staatsgewalt war, überall]

Update: FAZ, SpOn, taz

Update 2: direkt hinter meinem trackback

  1. classless
    Feb 8th, 2010 @ 13:39

    Ach, zur Hölle mit Autorenschaft und Urheberrecht und Eitelkeiten und dem Bestreben von Verlagen zu wissen, wem sie den Scheck zustellen sollen! Sich bis zur Unidentifizierbarkeit aus dem eigenen Text zurückziehen! Die Poesie soll von allen gemacht werden, nicht von einem! Woher stammen denn die Wörter, die Grammatik, der Kontext?
    Alles selber ausgedacht? Oder schön referenziert?

    Cut the fuck up!

    http://www.classless.org/remix/

Update 3: @haekelschwein

Nur zur Info: Falls jemand mit meinen Tweets auf der Spiegel-Bestsellerliste landet, ist ruckzuck die Fresse dick! #axolotl